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Nennt mich Eisenmann !

10. Juli 2012

Schmerzhaft ! Das ist das erste was mir zum Sonntag und der Challenge Roth einfällt. Bis heute spüre ich jeden einzelnen Muskel in meinem Körper. Dazu kommt noch ein dicker Sonnenbrand am Rücken und am Kopf (blöde Idee mit der Wettkampf-Frisur).

Zwei Tage nach der Challenge hält sich der Schmerz und die Freude mittlerweile die Waage. Direkt danach und gestern, war der Schmerz klar im Vorteil, aber es ändert sich immer mehr..

Aber alles der Reihe nach:

 Checkin am Tag zuvor

Am Samstag gings bereits mittags ab nach Roth. Wettkampfunterlagen abholen, Startnummer aufkleben, Rad einchecken und vieles mehr. Dank der Top Organisation in Roth, lief das alles wie am Schnürchen, so dass noch viel Zeit blieb über die Triathlon Messe zu schlendern und die besondere Atmosphäre beim größten Triathlon Europas zu genießen.
Beim Rad Checkin trafen wir u.a. auf die spätere Siegerin Rachel Joyce und ihr Cervelo P5.

Anschließend gings zu meiner Unterkunft für diese Nacht beim Schmiddi in Roth (Danke nochmal!). Im Keller des Hauses durfte ich es mir neben Ironman Trophäen und anderen Erinnerungsstücken von Dirk Aschmoneit gemütlich machen. Der früherer Profi war immerhin der erste Deutsche der 1991 einen Ironman gewann und wenn er in Roth startete, schlief er genau in diesem Zimmer. Gute Vorzeichen also 🙂
Die Nacht war sehr kurz. Nach einem gemeinsamen (alkoholfreien) Weizen bin ich zeitig ins Bett, konnte aber nur knapp 2 Stunden schlafen. Um 3:30 Uhr war die Nacht dann zu Ende und der große Tag endlich gekommen.

Vor dem Start

Nach ausgiebigem Frühstück, gings dann um halb fünf in Richtung Startbereich. Die Anspannung auf dem kurzen Fußmarsch bei Sonnenaufgang war schon riesig. Als ich dann dort angekommen bin und ich mit den Vorbereitungen beginnen konnte, ließ das langsam nach.
Der gewohnte Ablauf mit Rad aufpumpen, Verpflegung am Rad deponieren gab mir etwas Sicherheit, bis zu dem Moment wo ich meine Trinkflaschen aus der Tasche holte und merkte, dass ich vergessen hatte diese aufzufüllen. Also hab ich mich im Gewusel von fast  5000 nervösen Startern auf die Suche nach einem Wasserhahn gemacht. Der einzige der zu finden war, war mit einem großen „Kein Trinkwasser“ Schild beklebt. Nachdem mir allerdings ein alteingesessener Challenge Helfer versichert hat, dass das nur da stehen muss, weil die Schläuche nicht vorschriftsgemäß sind und das schon seit 20 Jahren Trinkwasser ist, hab ich ihm vertraut und meine Flaschen befüllt. Den Gedanken, dass ich nach den ersten 30 Minuten deswegen die erste Dixie Pause machen muss, hab ich schnell verdrängt.
Die restliche Zeit bis zum Start ging dann mit Neo anziehen, einem kurzen Aufwärmprogramm und einem Gruppenfoto im Käfig auch schnell vorbei und fünf Minuten vor dem Start unsere Startgruppe durften wir endlich in den Kanal. Also schnell Neo fluten, und in Richtung Startlinie schwimmen. Kaum dort angekommen, kam auch schon (für mich sehr überraschend) der Startschuss, also keine Zeit für Zweifel oder andere schlechte Gedanken..

3,8 km Schwimmen

Der Schwimmstart war ein großes Durcheinander. Der Plan, relativ zügig los zu schwimmen um den Anschluß an eine der vorderen Gruppen zu finden, ging nur bedingt auf. Rings um mich herum nur schwarze Gummi Ellbogen, Beine und nackte Füße. Teilweise bin ich über die anderen geschwommen, teilweise sie über mich. Ich hab mich hauptsächlich darauf konzentriert keinen Ellbogen ab zu bekommen. Bis sich der Stau löste und ein normales Schwimmen möglich war, dauerte es bestimmt die ersten 200m. Ich konnte meinen Ryhtmus schnell finden und nach kurzer Zeit war auch schon die erste Wendeboje bei Kilometer 1,5 unter der Hilpoltsteiner Brücke in Sichtweite. Beim Umschwimmen der Boje kam es zur nächsten Keilerei, da jeder möglichst auf der Innenbahn um die Boje wollte. Ein kurzer Blick auf die Uhr überraschte mich dann sehr: 24 Minuten waren gerade mal vorbei. Laut meinem Plan für eine Zeit von 1:10 h hätte ich an der Stelle schon bei 27 Minuten sein sollen, also war ich trotz des zähen Start gut unterwegs. Auf der langen Geraden zur zweiten Wendeboje bin ich dann in der Meute eine ganze Zeit mit und neben meinem Trainingskollegen Thomas geschwommen und wir haben einige aus der vor uns gestartet Startgruppe überholt.

Zusammen mit ihm bin ich dann auch nach etwa 56 Minuten um die zweite Boje. Von da an, war es dann nicht mehr weit und schon war die laute Musik und das Getose der Zuschauer zu hören. Beim Ausstieg hab ich mich sehr gewundert, wie schnell die 3,8 Kilometer vorbei waren und ein Blick auf die Uhr bestätigte mir, dass ich mit einer Stunde drei Minuten sehr gut unterwegs war. Also schnell den Wechselbeutel mit der Nummer 1447 suchen und ab ins Wechselzelt. Schwimmzeit 01:03:22.

Wechsel T1

Im Wechselzelt waren die freundlichen Helferdamen super und haben mir aus dem Neo geholfen. Auf dem Weg zum Rad hab ich kurz überlegt, ob ich mir auch noch etwas Sonnencreme bei den Damen abhol, hab mich dann aber entschieden die Zeit dort nicht zu vergeuden. Wenn ich jetzt so an meinen Rücken denke, keine gute Idee. Mein Rad hab ich auch schnell gefunden, Schuhe an, Helm auf und los gings auf die 180 km.

180 km Radfahren

Nachdem ich aus der Wechselzone rausfuhr galt es erstmal den Puls runterzukriegen. Wie zu erwarten war der nach dem Schwimmen erstmal sehr hoch und ich hab so die ersten 10 Kilometer gebraucht, bis er sich von 160 auf etwa 140 einpendelte. Obwohl ich wirklich diszipliniert und eher zurückhaltend unterwegs war hab ich einige überholt und dachte schon ich wäre zu schnell unterwegs, die Pulsuhr zeigte aber konstant zwischen 140 und 145 an, was absolut im grünen Bereich ist. Da ich die Strecke im Training ja schon drei- viermal gefahren bin, wußte ich recht gut wann welche Hügel auf mich warten und wo es wichtig war zu drücken. Teilweise war das aber auch ein Nachteil, da ich nach dem ersten Anstieg bei Heideck auf der folgenden Abfahrt im Training immer deutlich schneller unterwegs war. Das ließ sich aber wohl durch den da schon heftigen Gegenwind erklären. Das lange Flachstück zum Gredinger Kalvarienberg (der steilste und längste Berg der Strecke) lief dagegen super und ich konnte weitere Teilnehmer aus den vorderen Startgruppen „einsammeln“. Am Kalvarienberg war dann schon richtig und ich bin einigermaßen locker hochgekommen. An der Kuppe hab ich dann bemerkt, dass ich eigentlich noch einen kleineren Gang hatte, aber da wars zu spät. Die weiteren Hügel bis nach Hilpoltstein kostet zwar Kraft, waren aber alle noch locker fahrbar. Bei der Fahrt nach Hilpolstein hörte ich von Weiten schon das Wummern am Solarer Berg und ehe ich mich versah war ich schon in Mitten der zig Tausend irren Fans. Mir war klar, dass das der Wahnsinn wird, aber sowas geilesen habe ich noch nie erlebt. Mir war teilweise beinahe schwindelig von dem Getobe dort und ich konnte auch das ein oder andere bekannte Gesicht im vorbei fliegen erkennen. Absolute geil und einmalig !

Oben am Solarer Berg, war dann Zeit das Adrenalin etwas abzubauen, und die letzte Schleife zurück Richtung Hilpoltstein zu nehmen, bevor es zum zweiten Mal auf die 90 Kilometer Runde ging. Ziemlich genau bei Kilometer 100 habe ich dann schon bemerkt, dass es deutlich zäher geht als in der ersten Runde. Der Wind war nochmal um einiges stärker geworden und die Beine irgendwie leer. Meine Verpflegung lief bis dahin absolut nach Plan und ich konnte mir nicht erklären wo diese kleine Schwächephase herkam. Der Puls war nie wirklich hoch sondern teilweise sogar nur um die 130, aber die Beine gaben irgendwie nichts mehr her. Zum Glück hatte mich der Coach schon zuvor vor solchen Situation gewarnt und geraten dann ruhig zu bleiben. So hab ich mich dann bis zum zweiten mal den Kalvarienberg hochgequält und auf der anschließenden Hochstrecke bemerkt, dass der Wind mir dort richtig ins Gesicht bließ. Einige die ich zuvor überholte hatte, kamen wieder an mir vorbei. Nach der Abfahrt vom Kalvarienberg runter nach Obermässing hatte ich mich aber wieder ganz gut erholt und ich kam wieder in tritt und an den Überholern vorbei.
Das zweite mal Solarer Berg war wieder atemberaubend, aber nicht ganz so beeindruckend wie das erste Mal, da einige Zuschauer wohl schon weiter zur Laufstrecke gezogen waren. Auf dem letzten Stück nach Roth zurück, konnte ich nochmal gut Tempo machen und war froh endlich vom Rad zu dürfen. Die über 5 Stunden in Aero Position, haben meinem Nacken ziemlich zugesetzt und ich war froh wieder aufrecht zu sein. Kurz vor der Wechselzone also raus aus den Schuhen, ein erster Blick auf die Uhr zeigte mir dass ich unter 5:20 bleiben würde und ich war begeistert, da ich mit so guten Schwimm und Radzeiten nicht gerechnet hatte. Am Ende steht eine Radzeit von 05:17:11 was ein Schnitt von fast 34 km/h (exakt: 33,96 km/h) auf 180 Kilometer bedeutet. Top !

Wechsel T2

Beim Absteigen vom Rad waren meine Beine anscheinend nicht darauf gefasst, dass es jetzt zum Laufen geht, da mir direkt ein kurzer Krampf in die Oberschenkel Rückseite geschossen ist. Zum Glück war der aber gleich wieder weg und ich konnte mich auf wackeligen Beinen in das Wechselzelt schleppen. Die nette Helferin hat direkt meinen Beutel ausgeschüttet und mir die Schuhe vor die Füße gestellt. Leider den linken an den rechten Fuß und andersrum. Eine andere Dame schmiss mir in der Zwischenzeit etwas Sonnencreme auf die Schultern und los gings auf die 42,195 km zum „lockeren Auslaufen“ 🙂

42,195 km Laufen

Die ersten Meter fühlten sich zäh an und ich dachte ich bin super langsam unterwegs. Als ich auf die Uhr sah und da was von 5:10 min/km sah, konnte ichs kaum glauben und zwang mich das zumindest auf 5:30 min/km zu reduzieren, da ich auf keinen Fall zu schnell loslaufen wollte. Klasse hingegen der Kollege, der bei Kilometer 1 an mir förmlich vorbei flog und knappe 500 m später sah ich ihn am Rand stehen. Falls ich noch eine Warnung gebraucht habe, dass die verbleibenden 41 Kilometer verdammt lang werden können, war die jetzt angekommen. Es ging raus aus Roth in Richtung Lände und ich konnte mein Tempo bei knapp unter 5:30 min/km einpendeln. Da es so gut lief begannen schon die ersten Rechenspiele in meinem Kopf abzulaufen: 5:40er Schnitt reicht für die 4 Stunden auf dem Marathon, da ich nach 6:26 vom Rad bin, wäre das eine Zielzeit von unter 10:30. Hammer. Doch als ich am ersten Stimmungsnest vorbei war und bei Kilometer 5 am einsamen Kanal angelangt war, war mir klar, dass das verdammt hart werden würde. Es war heiß, die Beine schon schwer und das Tempo wurde immer langsamer. Jeder Kilometer kam mir vor wie 10 und ich beneidete die Läufer die mir entgegen kamen, da diese schon bei Kilometer 14 oder 15 waren. Der erste Wendepunkt in Schwand war scheinbar unerreichbar weit weg und bei Kilometer 8 waren die Stimmen „nur ein paar Meter gehen“ schon sehr laut. Der Schnitt war jetzt schon jenseits der 6:00 min/km. Ich hatte im Oktober ja bereits einen Marathon hinter mich gebracht und dachte das war hart. Verglichen mit diesem Marathon nach 3,8 Kilometern Schwimmen und 180 Kilometern Rad fahren, war das ein ziemlicher Kindergeburtstag. So wie ich mich in München bei Kilometer 35 fühlte, fühlte ich mich jetzt bei Kilometer 9. Und wenn der Kopf einem dann sagt es sind immer noch 33 Kilometer bis ins Ziel ist das extrem deprimierend. Nach dem Wendepunkt in Schwand, hab ich versucht mich irgendwie abzulenken und mich an den Kollegen die ich überholte, da sie bereits gingen, hochzuziehen.

Das gelang immer nur kurz und es tat hier schon richtig, richtig weh. Die Gedanken reichten immer nur von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation. An den Rest am einsamen Kanal bis zurück zur Lände kann ich mich jetzt schon kaum noch erinnern. An der Lände standen dann meine Fußball Kollegen und meine Freundin, die mich (verbotenerweise) ein kleines Stück am Rad begleitete. Ich war dort schon absolut am Ende und es war gerade mal der Halbmarathon vorbei. Weiter gings am einsamen Kanal entlang Richtung Eckersmühlen und dem zweiten Wendepunkt. Auf dem Weg hab ich schon so einiges Elend gesehen. Eine Frau die sich hemmungslos neben einer kleinen Zuschauergruppe erleichtere, ein Anderer der sich mit dem Rettungsboot abholen ließ. Spätestens ab Kilometer 23 war es nur noch ein Kampf gegen den Kopf, der immer sagte bleib stehen, bleib stehen. Irgendwie hab ichs immer wieder geschafft das auszublenden, auch wenn es immer mehr weh tat. Mein Kilometer Schnitt war seit Langem jenseits der 6 Minuten und von dem anfänglichen 10:30 Traum, hatte ich mich auch schon lange verabschiedet. Zum zweiten Wendepunkt gings es zu allem Übel auch noch einen kleinen Anstieg hinauf, der unüberwindbar schien. Ab dem Wendepunkt war mir klar, dass es jetzt „nur“ noch heim geht, auch wenn das noch 13 Kilometer waren. Trotzdem half mir der Gedanke etwas, so dass ich mich auf dem Rückweg zur Lände wieder etwas gefangen hatte und teilweise wieder unter 6 min/km laufen konnte. Das Ziel hab ich mir immer bei der Länder vorgestellt und als ich dann dort war, war mir klar, dass es immer noch fast 7 Kilometer von da an waren.
Es ging hoch nach Roth einen langen leichten Anstieg, der zum Glück etwas im Schatten lag. Die Zuschauer wurden wieder mehr und an der Biermeile bei Kilometer 39 warteten meine Kumpels von der BAF mit einem großen Plakat. Das gab mir nochmal den nötigen Schub für die letzten 3 Kilometer bis ins Ziel und ich konnte tatsächlich nochmal etwas um die 5:30 laufen. Der Zieleinlauf vor einer Wahnsinnskulisse war dann mehr Erleichterung als wirkliche Freude. Am Ende standen 10:48:10 auf der Uhr, also deutlich unter meinem 11 Stunden Ziel. Perfekt. Laufzeit: 4:21:37.

Im Ziel

Im Ziel hab ich mir die Medaille abgeholt und war einfach nur platt. In dem Moment konnte ich nicht verstehen, warum ich mir das Ganze angetan hab. Spaß hat das wirklich nicht gemacht. Daran dass man sich im Ziel schon für die Challenge 2013 anmelden konnte, hab ich nicht im Geringsten gedacht.

Im Endverpflegungszelt trugen die Ärzte dann im Minutentakt andere Finisher auf der Bare vorbei und ich war froh, dass es mir da wohl noch verhältnismäßig gut ging.
Der restliche Tag war kaum der Rede wert. Alle Bewegungen liefen in Zeitlupe ab und Treppensteigen war eine große Herausforderung.
Wie anfangs schon beschrieben, kommt der Stolz und die Freude immer mehr durch, je mehr der Schmerz nachlässt. Ob ich sowas jemals wieder machen möchte, kann ich aber immernoch nicht mit Gewissheit sagen. Es gelingt mir kaum zu beschreiben wie hart das war…

Aber: Ich bin stolz auf mich, das durchgezogen zu haben, und mir vor Allem beim Laufen über 4 Stunden erfolgreich in die Fresse geschlagen zu haben !

Danke an alle, die mich während der Vorbereitung auf Roth und am Wettkampftag unterstützt haben ! Besonders möchte ich meiner Freundin Marieke danken, die ebenfalls auf vieles verzichten musste während meiner Vorbereitung. Danke !

Der Eisenmann.

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