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„You are an Ironman !“

1. Juli 2014

IM_NizzaHier der etwas ausführlichere Rennbericht zum Ironman Nizza 2014 vorgestern. Bis auf derben Muskelkater, mehrere Blasen an den Füßen und ein paar Schürfwunden, fühl ich mich mittlerweile wieder einigermaßen ok und konnte heute zwei Tage danach sogar schon wieder ganz gut gehen und war etwas im Meer der Côte d’Azur baden. Die Details:

Vor dem Start

Um 4:00 Uhr klingelt der Wecker und reißt mich aus einem überraschend guten Schlaf. Kurz geduscht zum wach werden und auch  Frühstücken klappt trotz der Uhrzeit ganz gut. Um 5:00 Uhr gehts ab in die Wechslezone um das Rad nochmal zu checken, alles läuft wie am Schnürchen. Also langsam umziehen, Neo an und ab in Richtung Strand zum Schwimmstart. Zeitlich war alles eng getaktet, so dass wenig bis keine Zeit zum überlegen bleibt. Ich genieße die Gänsehaut am Start und freue mich richtig auf den Tag.

3,8 Kilometer Schwimmen:

Pünktlich um 06:30 Uhr fällt der Startschuss und gemeinsam mit 2500 anderen Triathleten renne ich in die morgendlichen Wellen. Ein unvergleichliches Erlebnis. Das Video aus 2013 habe ich ja schonmal gepostet, aber trotzdem hier nochmal, weil es den Start echt sehr gut einfängt:

DSC_1380Weniger schön war dann die Prügelei von Beginn an bis kurz vor der ersten Boje. Man kann das kaum beschreiben, aber mit Schwimmen hatte das nichts zu tun. Bei jedem Armzug hab ich statt Wasser erstmal einen anderen Athleten erwischt und denen hinter und neben mir gings genauso, nur dass ich da eben das Opfer war. Swim3 bis 4 heftige Einschläge waren dabei, so dass ich meine Schwimmütze recht schnell verlor und dann eher drauf geachtet hab, dass die Brille am Kopf bleibt und ich ohne Knockout durchkam. Das ganze hat sich eigentlich bis über die kompletten ersten 1,9 Kilometer so durchgezogen, da es an jeder Boje wieder zu dem Gewühle kam. Eine saubere Technik oder meinen Rhyhtmus, habe ich kaum finden können.

Nach dem Landgang habe ich mir dann einen kleinen Fleck im Feld gesucht wo etwas weniger los war, so dass die zweite Runde etwas entspannter lief, allerdings haben dann gefühlt die Wellen im Meer etwas zugenommen, so dass ich soviel Salzwasser geschluckt habe, dass ich noch auf der Radtsrecke was davon hatte.
Nach 1:10:26 waren die 3,8 Kilometer dann rum und ich bin relativ entspannt aus dem Wasser gestiegen. Leider gings dann zur Wechselzone eine enge Treppe hoch wo sich alles etwas staute und ich etwas Zeit verlor. Im Nachhinein allerdings kaum der Rede wert 🙂

180 Kilometer Radfahren:

Höhenprofil IM Nizza

Höhenprofil IM Nizza

Nach einer sehr langen Wechselzone, gings dann ab aufs Rad. Erstmal Puls runter kommen lassen, Salzwasser aus dem Mund spülen und verpflegen. Zu Beginn waren die ersten 20 Kilomter schön flach zum locker Einrollen aber dann gings auch schon los. Nach einer Linkskurve stand der erste steile, aber kurze Brocken von Berg an. Hier musste ich schon früh im Rennen richtig ackern um hoch zu kommen. Anschließend gings dann immer leicht weiter bergan, aber lief alles noch entspannt.0746_021255 Nach einer kurzen Abfahrt, folgt dann der Einstieg zum Highlight, dem Col de ´Ecre von Kilometer 50 bis Kilometer 71. Es ging also 21 Kilometer lang hoch bis auf  1120 Meter über dem Meer (in dem ich ja gestartet bin..). Der Anstieg war wechselhaft steil, mal flacher aber auf jeden Fall verdammt lang. Die Dauer war schon sehr zermürbend und als ich dachte jetzt muss doch bald Ende sein, kam ein Teil mit Serpentinen und ich konnte genau sehen, wo die Fahrer vor mir unterwegs waren. Es war noch sehr weit und ging noch verdammt hoch. Um dem Kopf noch einen Hieb zu geben, wurde es da oben richig kalt, neblig und es began zu regnen.

Irgendwann wars dann doch vorbei und auf dem folgenden graden Stück habe ich deutlich gemerkt, dass der Anstieg so richtig Körner gekostet hat. Mehr als geplant war. Die Abfahrt danach entschädigte allerdings für die Qual und ich konnte einige Plätze gut machen. Als ich wieder schön im Tritt war auf der kurzen Geraden, kam auch schon der nächste Anstieg und er kostete nochmal richtig Kraft. 7 Kilometer lang gings wieder hoch auf 980 Meter über dem Meer zum Cóte de Saint Pons. Ich musste hier schon gut ackern, aber der Gedanke, danach gehts nur noch bergab, hat mir hoch geholfen.

0746_030802Leider war das ein ziemlicher Trugschluss. Denn nach dem harten Anstieg gings oben angekommen erstmal bei gutem Gegenwind 10 Kilometer flach und ich hatte einen kleinen Tiefpunkt, da ich sehnsüchtig auf die verdammte Abfahrt wartete. Doch es kam anders, denn es ging nochmal hoch und ich habe an der Stelle sehr geflucht. Auch wenn der Anstieg diesmal nur weniger als 2 Kilometer lang war, hatte ich damit irgendwie nicht mehr gerechnet und es hat unheimlich genervt. Von 1010 Meter Höhe gings dann aber ab Kilometer 125 endlich bergab. Die Abfahrt war sensationell und ich konnte die Strecke und Aussicht tatsächlich genießen.

Nach ca. 15 Kilometern bergab gings dann (wer hätte es gedacht) nochmal 2 Kilometer hoch zum Cóte du Broc, ehe dann endgültig Schluß mit Höhenmeter war und die finale Abfahrt anstand. Passend dazu hats dann richtig angefangen zu schütten, so dass extreme Vorsicht beim Abfahren angesagt war. Mindest 3 Krankenwagen habe ich auf dem Weg nach unten gesehen und ich habe einige überholte, die mit Schürfwunden am Körper gezeichnet sehr gemächlich runter gefahren sind. Das wollte ich natürlich vermeiden und hielt mich dann auch zurück.

Unten angekommen und für die letzten 20 flachen Kilometer hatte der Regen dann den Sintflut-Modus erreicht und es stand tatsächlich zentimeterhoch das Wasser auf der Straße. Auch hier konnte ich wieder herrlich fluchen, hatte ich ja in Nizza mit Hitze gerechnet und nicht mit Aquaplaning. Bei Kilometer 170 sah ich schon von Weitem einen netten Helfer, der dem Regen trotzte und seine gelbe Fahne schwang. „Slow, Slow“ hab ich gehört und ich war auch slow. Trotzdem half es nichts, in der Kurve war ein schöner weißer Zebrastreifen und zack hats mir das Vorderrad weggezogen und ich lag doch am Asphalt.DSC_0797

Erneutes Fluchen, kurz das Rad und mich gecheckt und alles schien bis auf einiger Schürfwunden am Rad und an mir einigermaßen ok. Ich merkte kurz etwas krampfartiges  im hinteren Oberschenkel, der sich wohl beschwerte nach dem ganzen Klettern und 5,5 Sunden am Rad, jetzt so vom Rad geholt zu werden. Es ging aber weiter. Die letzen 10 Kilometer bin ich dann noch vorsichtiger in die Wechselzone getrudelt und bin dann nach 5:53 Stunden vom Rad gestiegen.

Laufen 42,1 Kilometer

Der Regen war wieder weniger aber immer noch da, so dass ich mit einem müden Lächeln, die Sonnencreme im Wechselbeutel ließ. Socken an, Schuhe an und los gehts.

DSC_1383

Kilometer 11

Jetzt im Nachhinein fällt es mir schwer zu verstehen was mich zu Beginn des Marathons geritten hat. Ich fühlte mich sensationell gut und bin fröhlich los geflogen. Statt dem geplanten Schnitt von 5:20 bis 5:30 min/km bin ich die ersten 11 Kilometer in einem Schnitt von etwa 5:05 min/km los gerannt. Ich fühlt mich so stark, dass ich schon von einer Marathonzeit von 3:45 h oder besser träumte, was man auf dem Bild links ganz gut sieht. Das Gegenteil seht ihr gleich…

Ich verlor mich in Gedanken wie „ach selbst wenns hart wird später, 5:40 min/km kann ich immer laufen, war im Training niiiieeee ein Thema…“ Es kam anders. Am Tag zuvor hatte ich noch im Buch „Going Long“ gelesen, man soll sich den ganzen Ironman so einteilen, dass man ab Kilometer 25 beim Marathon noch Körner hat und zulegen kann. Stimmt im Nachhinein….

Denn so langsam wurde die Euphorie etwas weniger und das Laufen immer zäher. Ich dachte mir gut, Du bist super unterwegs, ab dem Halbmarathon gehst in der nächsten Verpflegungsstation und versorgst Dich richtig gut.  Der Schnitt fiel kontinuierlich von 5:20 auf 5:40, dann auf 6:10. Die Gehpausen bei den Stationen wurden länger und das Anlaufen immer schwieriger. Auch hier meinte es das Wetter wieder gut mit mir und pünktlich dazu riss es auf und die Sonne lachte. Sie lachte so richtig.

Run_31

Die Versuche mit Cola und Red Bull nochmal etwas zu reißen halfen nur kurz. Ich wurde stetig langsamer und bemerkte was mir so alles weh tat. Da waren heftige Blasen an den Füßen von nassen Socken und Schuhen, so dass jeder Schritt weh tat, es war heiß und die Muskulatur jammerte gewaltig. So ab Kilometer 27  war der Stecker dann gezogen.

Also eben kurz nach der Stelle für die ich mir Körner aufheben sollte. Nur waren keine mehr da. Die Mini-Insekten Flügel, die mir Red Bull verlieh, trugen mich gerade mal immer ein paar Meter. Es war eine absolute Qual und die letzten 15 Kilometer erschienen unsagbar lang.  Mit einem Schnitt von > 8 min / km wurden diese 15 Kilometer dann auch irre lang und schmerzhaft. Schwer zu beschrieben, was ich da durchlebt habe. Irgendwie hab ich mich dann doch zum 40 Kilometer Schild geschleppt. Das Ende war in Sicht  und ab da gings wieder leicht besser, so dass ich nochmal minimal zulegen konnte.

Der Zieleinlauf war dann sensationell. Noch kurz meine Frau vor der Ziellinie geküsst, mich feiern lassen und ich war einfach glücklich, dass es zu Ende war. Laufzeit 04:37 h.

Fazit:

Ich bin ein Eiermann, da stehts:

IM

Das fühlt sich gut an. ImVergleich zur Challenge Roth war dies auf jeden Fall die härtere Nummer. Das Schwimmen und vor allem die bergige Radstrecke war schon hart und im Vergleich zu Roth fehlt natürlich auch die sensationelle Stimmung am Streckenrand. Dafür war Nizza landschaftlich (Alpen plus Meer) natürlich genial. Beides hat im Nachhinein schon sehr Spaß gemacht.

Platzierungstechnisch kam ich auf Platz 1047 ins Ziel und bin damit immer noch in der vorderen Hälfte des Gesamtfeldes (2525 Starter). Aber trotzdem sind die Gefühle etwas gemischt. Ich bin natürlich stolz und glücklich das Ding unter 12 Stunden gefinished zu haben, trotzdem ist da im Moment auch etwas Ärger, über die eigene Selbstüberschätzung beim Laufen. Ich würde zu gern wissen, was gegangen wäre, wenn ich den Marathon vernünftig angelaufen wäre. Aber wichtig ist ja, dass man aus den (schmerzhaften) Fehlern lernt und sie nicht zweimal macht…

Im Moment ist Aufstehen und Treppen steigen noch sehr langwierig, aber sonst ist alles gut 🙂

Jetzt steht erstmal erholen an…

Danke fürs Lesen !

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3 Kommentare leave one →
  1. 11. Juli 2014 17:07

    Congratulations my friend! Greetings from Brazil! Good luck to you!

  2. 11. Juli 2014 17:13

    You da man!

  3. Veit permalink
    9. August 2014 20:26

    Congratz! Richtig geil! Gute Erholung

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